Rameaus Bühnenwerke spiegeln den späten Glanz der höfischen Kultur in Versailles, und galten schon zu seinen Lebzeiten als altmodisch. Jetzt hat das Linzer L’Orfeo Barockorchester die Schönheit seiner Instrumentalmusik wiederbelebt.
| Bühnenmusik von Jean-Philippe Rameau |
In den 14 Jahren seines Bestehens hat sich das L’Orfeo Barockorchester unter seiner Gründerin und Leiterin Michi Gaigg, einer exzellenten Barockgeigerin, ganz nach vorne gespielt in der europäischen Alten-Musik-Szene und zuletzt auch einige vergessene Opernjuwelen – wie Telemanns „Orpheus“ oder Haydns „Die wüste Insel“ – eindrucksvoll wiederbelebt. Von da war es nur ein Schritt zu Rameaus wunderbarer Bühnenmusik, auch wenn man jetzt nur die Instrumentalstücke aus seiner ersten Oper „Hippolyte et Aricie“ von 1733 sowie aus dem kaum bekannten fünfaktigen Ballett „Zais“ von 1745 eingespielt hat. Die Schönheit und innere Vielfalt von Rameaus farbenprächtiger Orchestermusik kommt so, in der suitenartigen Verdichtung, fast noch besser zur Geltung als in den ausladenden, für manchen doch etwas zu langatmigen Opern. Mit jeweils zweimal 19 Einzelsätzen geben die Suiten einen sehr eindrucksvollen Überblick über das Arsenal an Tanztypen, an szenischen Topoi und an dramatischen Effekten, die diese hochentwickelte höfische Theatermusik um die Mitte des 18. Jahrhunderts erreicht hatte, bevor Glucks Opernreform und dann auch die bürgerliche Revolution der Gattung neue Wege wiesen. Von „Akademismus“, den man Rameau immer wieder vorwarf, ist hier nichts zu spüren. Ganz im Gegenteil: So hat er in „Zais“ ein zeittypisch pastorales Sujet, nämlich die Liebe eines Luftgeistes zu einer Hirtin, bereits mit aufklärerischen Ideen durchwirkt, und er unterminiert hier die Sehnsucht der Hofgesellschaft nach einem friedvollen, natürlichen Leben durch dissonanzenreiche Harmonik, polyphone Stimmführung und starke musikalische Kontraste.
Und Michi Gaigg und ihre „orpheischen“ Mitstreiter gehen in beiden Suiten wieder mit einem tänzerischen Elan, einer rhythmischen Präzision und Klarheit zu Werke, dass man sofort angesteckt wird von ihrer Spielfreude und gar nicht genug bekommen kann von diesen raffinierten, kurzweiligen Orchesterminiaturen, die uns die ganze Pracht und das Lebensgefühl einer längst vergangenen höfischen Kunstform nahebringen. Das lichte, transparente und detailreiche Klangbild passt sehr gut zur „Klarheit“ der Musik.
| Interpretation | 95% |
| Editorischer Wert | 90% |
| Rameau, Orchestersuiten aus „Zais“ und „Hippolyte et Aricie“ |
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| L’Orfeo Barockorchester, Michi Gaigg (Aufnahme 2010) |
| Crystal Classics/Capriccio N 67063 |
| TT: 62’08 |













