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Ochsenbauer meets Sokal – Bass Player’s Delight

07.05.2011  | von Hans-Jürgen Schaal
 
Bassisten sind im Jazz nahezu unverzichtbar. Sie liefern melodische Linien, sichern das harmonische Gerüst, geben den rhythmischen Puls. Doch wahrgenommen werden sie oft viel zu wenig. Johannes Ochsenbauer will das ändern. Natürlich ist auch er ein Jazzbassist.

Ochsenbauer meets Sokal – Bass Player’s Delight
Eine der ewigen Weisheiten der Jazzgemeinde lautet: Einen Kontrabass muss man mehr spüren als hören! Kein Wunder also, dass die Männer und Frauen, die die große Geige zupfen, vielfach übersehen und vor allem überhört werden. Sieht man einmal ab von Ausnahmevirtuosen wie Christian McBride oder Visionären wie Dave Holland, werden Kontrabassisten als Komponisten und Bandleader wenig wahrgenommen. Dabei gilt der Bassist oft als der beste Musiker in der Band – mit dem sichersten Gespür für harmonische Konzepte und effektive Arrangements.

Johannes Ochsenbauer, noch keine 30 Jahre alt, schlägt mit Bass Player’s Delight eine Bresche für seine großen Tiefton-Kollegen: Sieben hervorragende Kompositionen von vier wichtigen Bassisten hat er auf seinem Album versammelt. Natürlich ist Charles Mingus mit zwei Stücken vertreten, der mit seiner Musik die Brücke vom Cool zum Free Jazz schlug und rund 25 Jahre lang mit eigenen Bands wichtige Impulse gab. Natürlich ist Oscar Pettiford mit von der Partie, einer der Pioniere des Bebop, der 1958 als gefeierter Star nach Europa ging und hier zwei Jahre später starb (mit nur 37 Jahren). Ebenfalls mit zwei Stücken dabei ist Sam Jones, einer der gefragtesten Bass-Begleiter im Hardbop und Soul Jazz und auf etlichen Blue-Note- und Riverside-Sessions zu hören. Außerdem lieferte Ron McClure, der vielseitige Bassmann zwischen Rock und Jazz, seine Komposition „Nimbus“ und die Liner notes zur CD. Und Ochsenbauer selbst steuert das Stück „Brownin’“ bei – auch das eine Hommage an einen Bass-Kollegen, den unvergessenen Ray Brown.

Dennoch ist das kein basslastiges Nerd-Album, sondern schamlos swingende Combo-Lust: mit echten Fetzern – Mingus’ „Jump Monk“, Pettifords „Tricotism“, Ochsenbauers „Brownin’“ –, mit wundervollen, weitgehend unentdeckten Balladen – Mingus’ „Celia“, Pettifords „Tamalpais“, Sam Jones’ „Miss Morgan“ –, mit frechen, überraschenden Arrangements und mit einer Band aus vier Könnern. Um mal nicht vom Bass zu sprechen: Saxophonist Harry Sokal, einst Gründungsmitglied des Vienna Art Orchestra, zeigt einmal mehr, warum er 20 Jahre lang der bevorzugte Bläserpartner des großen Art Farmer war. Mainstream-Jazz von solcher Souveränität hört man nicht mehr oft in Europa. Und wenn dann noch ein originelles Albumkonzept so gelingt wie hier: Hoppla!

Ochsenbauer meets Sokal – Bass Player’s Delight
Jump Monk
Tamalpais
Del Sasser
Spring Can Really Hang You Up The Most / Little Waltz
Tricotism
Nimbus
Celia
Brownin’
Miss Morgan
Harry Sokal – Tenorsax, Sopransax
Johannes Ochsenbauer – Bass
Tizian Jost – Piano
Michael Keul – Schlagzeug
jawo JAW 009
TT: 58’10

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