Bislang unveröffentlicht ist dieses Konzert von Bud Powell, Oscar Pettiford, Kenny Clarke und Coleman Hawkins zwar nicht, eine Sternstunde der Jazzgeschichte aber doch!
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| Bud Powell – 1960 Essen, Grugahalle |
Dieses Konzert ist seit Jahrzehnten unter verschiedenen LP- und CD-Titeln wie
The Essen Jazz Festival Concert oder
Hawk in Germany nicht nur stolzer Besitz, sondern geradezu ein Muss für jeden Jazzplattensammler. Die Aufnahmen haben mich in meiner Jugend erstmals mit den vier beteiligten Jazzgiganten bekannt und zu ihrem glühenden Anhänger gemacht. Was mag also die Herausgeber bewogen haben, deutlich lesbar „Unreleased“ auf die Vorderseite zu drucken und auf der Rückseite auch jedem einzelnen Applaus des Publikums eine Tracknummer zu geben, womit auch noch der Eindruck entsteht, es seien 17 und nicht die berühmten neun Aufnahmen? Neu ist nur die verbesserte Hifiqualität und die Entscheidung, bei dieser Edition wie bei einigen früheren LP-Ausgaben die Ansagen Joachim Ernst Berendts wieder herauszuschneiden. Gründe dafür sind nicht erkennbar. Er war Teil des historischen Geschehens und sagte ja in seiner Ansage nichts als die reine Wahrheit: „Es gibt viele gute Jazzmusiker, aber es gibt nur wenige, die einen so wesentlichen Beitrag zur Jazzgeschichte geleistet haben, dass dieser Beitrag in allem, was nach ihnen gespielt wird, in der Jazzmusik spürbar bleibt.“ Mit berechtigtem Stolz und Glück in der Stimme verwies er darauf, gleich mehrere solcher Größen in einem Konzert vereinigen zu können. Nur einmal, nur bei diesem Konzert kam es zu gemeinsamen Aufnahmen von Oscar Pettiford, Bud Powell, Kenny Clarke und Coleman Hawkins, die vom deutschen „Jazz-Papst“ im Wissen um ihre musikhistorische Zusammengehörigkeit und mit dem Gespür für den Kairos kombiniert wurden: Bud Powell, der König des Bebop-Pianos, war diesmal in vorzüglicher spielerischer Verfassung und saß (damals auch ein Glücksfall) vor einem guten Instrument. Oscar Pettiford, der große Emanzipator des Kontrabasses, sein erster großer Solist der Jazzmoderne, war nominell der Leader. Kenny Clarke, zwanzig Jahre zuvor einer der Väter des Bebop, hatte auf seinem Instrument die Wende vom Swing zur Jazzmoderne eingetrommelt. Die drei Wahleuropäer passten vorzüglich zu Coleman Hawkins. Der Vater des Tenorsaxophons war in der zweiten Hälfte Stargast des in jeder Hinsicht einmaligen Trios und spielte mit ihnen „nur“ vier Stücke. Alles ist da dicht und konzentriert; jeder Ton jedes Beteiligten steht da wie für die Ewigkeit gemeißelt. Der Auftritt vollzog sich mit einer solchen Dringlichkeit, dass dieser knappen halben Stunde mit Hawk nachgerade die packende Dramatik eines Shakespeare-Stückes innewohnt. In den 40er Jahren hatte er mehr als jeder „Alte“ die jungen Bebopper gefördert, hatte selbst, einigen Anhängern zum Trotz, nicht nur Bebopper in seine Gruppen aufgenommen, sondern stilistische Merkmale seiner Neuerer in seinem Spiel integriert. Mit seiner fortschrittlichen harmonischen Auffassung war er ohnehin ein Wegbereiter der Bopper gewesen. Seine rhythmische Auffassung vertrug sich allerdings nicht ganz mit jener der Bebopper. Einst störte mich dies etwas am Konzertmitschnitt; heute finde ich, dass diese kleinen rhythmischen Reibungen die Spannung dieses Gipfeltreffens nur noch steigern. Zur Zeit des Konzertes hatte Hawkins, wie Joachim Ernst Berendt schon vor seinem Auftritt treffend feststellte, eine „Vitalität entwickelt, mit der er viele seiner jüngeren Nachfahren und Schüler an die Wand bläst.“ Wenige Monate später wäre so ein Konzert nicht mehr möglich gewesen. Pettiford starb noch im gleichen Jahr an den Folgen eines Unfalls. Und selbst wenn er am Leben geblieben wäre: Hawkins und Powell starben im Verlauf des Jahrzehntes, beide nachdem man einige Jahre betroffen zugesehen hatte, wie die genialen Funken in ihrem Schaffen immer weniger wurden. Der 2. April – aus dieser Perspektive erst Recht zu eine Sternstunde.
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Bud Powell (p) Oscar Pettiford (b) Kenny Clarke (d) Essen, Germany, April 2, 1960 Shaw 'nuff Blues in the closet Willow, weep for me John's abbey Salt peanuts |
Coleman Hawkins (ts) Bud Powell (p) Oscar Pettiford (b) Kenny Clarke (d) Essen, Germany, April 2, 1960 All The Things You Are Yesterdays All the things you are Just you, just me Stuffy |
| Jazzline N 77 005 |
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