Noch immer pflegt Samuel Beam alias Iron & Wine zumindest äußerlich jenen Waldschrat-Habitus, der offenbar jede Erscheinungsform von Neo-Folk, Americana oder Freak-Folk publikumswirksam legitimiert. Aber von Folk im klassischen Sinne finden sich nur mehr Spurenelemente auf Kiss Each Other Clean. Statt dessen bezaubert uns der bärtige Barde mit eigensinnigem Pop.
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| Iron & Wine – Kiss Each Other Clean |
Ein Album wie eine Reise in eine vage Vergangenheit, traumhaft unwirklich; Songs, die aus dem Nebel abgelegter Jugendlichkeit heraufsteigen, zart verfremdete Stimmen, die in eine undefinierbare Ferne abrücken. Welche Laune auch immer seine Spurensuche provoziert haben mag, Samuel Beam begibt sich auf dem Album „Kiss Each Other Clean“ weit zurück in die halbwegs unschuldigen Jahre des Pop. Ein paar dezente Klangtupfer von Piano und Akustikgitarre verweisen noch auf vergangene Hippie-Seligkeiten, verträumte Beach Boys-Harmonien treffen auf Funk-Rhythmen und alt-fiepige Synthesizerklänge, dazwischen eine Querflöte, die den melancholischen Grundgedanken umspielt, ein angedeuteter Afro-Beat und ein Saxophon, das sich auf die Randzone des Harmonischen zubewegt... All dies findet sich über diese zehn Songs verstreut, überraschend miteinander kombiniert oder in einen spannenden Kontrast gesetzt. Ein Partchwork der Stile, gewiss; absichtsvoll verwirrend miteinander kombinierte Momente aus der Geschichte des Pop. Aber Beams feines Gespür für die Kunst des Songs bewahrt dieses Album davor, zu einer reinen Ansammlung von Stil-Zitaten und Verweisen zu werden. Vielmehr gelingt es ihm, sich all diese Momente überzeugend anzuverwandeln, diesen Blick zurück sogleich wieder umzukehren und auf die Gegenwart zu richten – so als betrachte er die Jetztzeit durch die Brille der siebziger Jahre. Der Schleier des Nostalgischen ist behutsam gelüftet – und enthüllt damit die überragende Qualität dieses Songschreibers, der das scheinbar Unvereinbare zu einer Einheit zu verschmelzen vermag – zu Modellformen einer Popmusik, die so vieles Andere, derzeit Modische souverän ins Reich der Konfektionsware verweist. Iron & Wine – eine originelle, kluge Stimme, die uns noch lange begleiten und begeistern wird.
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1 Walking Far From Home 4:45 2 Me And Lazarus 3:02 3 Tree By the River 3:56 4 Monkeys Uptown 3:47 5 Half Moon 3:15 6 Rabbit Will Run 5:29 7 Godless Brother In Love 3:48 8 Big Burned Hand 4:10 9 Glad Man Singing 4:38 10 Your Fake Name Is Good Enough For Me 6:57 |
| Gesamtspielzeit: 44:11 |
| 4AD Records CAD3103CD |
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