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Camille Saint-Saens – Die Klavierquartette

23.12.2010  | von Mátyás Kiss
 
Eine von Deutschlands führenden Kammermusik-Formationen bricht eine Lanze für einen immer noch sträflich unterschätzten Meister aller Klassen aus Frankreich.

Camille Saint-Saens – Die Klavierquartette
Camille Saint-Saens (1835-1921) schuf nicht nur zwei Evergreens – die „Orgelsymphonie“ und den „Karneval der Tiere“ – und bereicherte alle musikalischen Gattungen mit seinen Beiträgen, er war auch ein fulminanter Pianist (und Organist), der erst im Alter Kammermusiken schrieb (die beiden Streichquartette nämlich), die ohne sein Instrument auskamen. Daher nimmt es nicht Wunder, dass auch seine intimeren Äußerungen dem Klavier eine quasi-konzertante Rolle einräumen. Aber dies ist weniger überraschend als die Tatsache, dass sich Saint-Saens von früher Jugend an überhaupt der Kammermusik widmete – in einem Land und einem Jahrhundert, in dem die Oper regierte. Eine seiner ersten vollgültigen Äußerungen war  – wenn auch noch ohne Opuszahl – ein mit sechzehn Jahren begonnenes und 1853 abgeschlossenes dreisätziges Klavierquartett in E-Dur, das die Hauptgewichtung noch auf den ersten Satz legt und erst 1992 im Druck erschien.

Lange Zeit als sein einziger „offizieller“ Beitrag zur Gattung galt freilich das op. 41 in B-Dur von 1875. Das halbstündige, in einem luxuriösen Finale kulminierende Meisterwerk, nun in vier motivisch miteinander verknüpften Sätzen, geizt wie meist bei diesem Komponisten nicht mit eingängigen Melodien und bleibt in der Verarbeitung der Themen stets gut nachvollziehbar, so dass es schwer verständlich scheint, warum es Saint-Saens immer wieder gelang, es sich mit den Musikfreunden beiderseits des Rheins zu verderben – zumal die unüberhörbaren Reminiszenzen an die Polyphonie seines geliebten Johann Sebastian Bach immer wieder seine Verbundenheit mit den kopflastigen Idealen der deutschen Musik beteuern, diese aber mit sprichwörtlich gewordener französischer Clarté und duftiger Klanglichkeit verdaulicher machen. Was ist eigentlich so schlimm daran, als „Klassizist“ zu gelten? Mit diesem im Grunde nichtssagenden Vorwurf hat man übrigens auch Mendelssohn schon verunglimpft.

Eine feine Zugabe bildet die selten erklingende Barcarolle op. 114, deren Bratschenpart in der Urfassung von 1898 einem Harmonium zugedacht war. In ihrem Changieren zwischen den Anforderungen des Salons und leicht impressionistischen Anklängen bewegt sie sich durchaus auf der Höhe der Zeit.

Auch diese Einspielung zeigt einmal mehr, wie gut Werner Dabringhaus und Reimund Grimm daran taten, das vor zehn Jahren von erstrangigen Solisten gegründete Mozart Piano Quartet für ihr Label zu verpflichten: Zu viele zentrale Werke des Klavierquartett-Repertoires (von den obskureren ganz zu schweigen) sind bisher dazu verdammt gewesen, von Streichquartetten aufgeführt zu werden, in denen ein Geiger durch einen gastierenden Pianisten ersetzt wurde. Ein festes, gut ausbalanciertes, dazu noch temperamentvoll agierendes Ensemble wie dieses vermag aus Klarvierquartetten viel mehr Feinheiten herauszuholen. Das Klangbild der SACD erfreut, wie von MDG gewohnt, durch seine vollkommene Natürlichkeit.

Interpretation 95%
Repertoirewert 100%

Camille Saint-Saens – Die Klavierquartette
Mozart Piano Quartet: Mark Gothoni, Violine; Hartmut Rohde, Viola;
Peter Hörr, Violoncello; Paul Rivinius, Klavier
MDG SACD 943 1519-6 (Vertrieb: Codaex)
TT: 58 Min.

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